veröffentlicht in der Schwäbischen Post am 07.01.2018:

Wenn Erkan auf Schwaben trifft

Laientheater „Mit Döner, Durst und Dosenwurst“ erobert die Theatergruppe des SV Ebnat das Publikum in der Jurahalle im Sturm.
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    Ein starkes Stück und beeindruckende schauspielerische Leistungen sowie herrlich überzogene Klischees. All das gab es bei „Döner, Durst und Dosenwurst“ in Ebnat. Foto: han

 

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Aalen-Ebnat

Scharf gezeichnete Charaktere lassen ganz viel Spielraum für herrlich ausufernde Klischees: Das ist der Stoff, aus dem Komödien sind. Das gilt auch für die des SV Ebnat, die da heißt „Mit Döner, Durst und Dosenwurst“.

Gleich zu Beginn trifft die geistig etwas einfacher strukturierte Fleischereifachverkäuferin Edeltraud (hervorragend besetzt mit Roswitha Weber) vor ihrem Laden auf die sexy Frisöse Gitti und gibt „Weisheiten“ zum Besten. Etwa: „Ist die Sau auch halb verendet, schmeckt sie in der Wurst noch blendend“. Das ist nur einer der vielen Sprüche – ergänzt um viele falsch gesprochenen Fremdworte. Frisöse Gitti hat ihr Geschäft gleich in der Nachbarschaft und schon nach den ersten Dialogen sind die Zuschauer mitten im Geschehen. Zu dem tragen weitere Typen bei: Joe (Rudi Mayer), der protzige und etwas prollige, homosexuell erscheinende Besitzer des Tatoostudios, der meist mit nacktem, tätowiertem Oberkörper rumläuft. Oder der auf Pause, Feierabend und Ruhestand wartende Polizist Edgar (Eberhard Amerein). Dazu die überkandidelte Rektorin der Grundschule (Nicole Braunschmid), die köstliche Landwirtfamilie Häberle, die ihren ebenfalls geistig etwas einfacheren Sohn August endlich unter die Ehehaube bringen will (Friedrich Arnold, Birgit Breitweg und ein toller Rudolf Weber als August).

Allein diese Rollen bieten mehr als genug komödiante Unterhaltung. Doch der SV Ebnat setzt noch eins drauf: In die deutschtümelnde Mischung der Charaktere platzt pünktlich zum Ebnater „Epflfest“ der „schöne Erkan“ ( Thomas Krebs) mit der Eröffnung seines „Sultan Döner“.

Erkan ist „ganz konkret“ anders. Sieht gut aus, spricht anders, denkt anders, handelt anders, hat Erfolg – und eröffnet damit eine Bandbreite weiterer Klischees. Thomas Krebs agiert fantastisch und überzieht so herrlich, dass selbst derbste Anspielungen nicht falsch verstanden werden können. Ein Beispiel: Erkan beliefert auch die örtliche Grundschule und nimmt für die Pause Bestellungen auf: „4 mal Döner, 5 Pizza und 4 Dosen Bier. Hab ich konkret Frage: Wie alt bist du“. Die Antwort stellt ihn zufrieden: „11 Jahre, das ist konkret voll in Ordnung“. Bisweilen ist Erkan auch aufbrausend und hat schon mal das Messer in der Hand. Das ist der Dramaturgie geschuldet und hervorragend komödiantisch umgesetzt.

Im dritten Akt schließlich müssen die Protagonisten überlegen, wie sie zwei vermeintliche Leichen beseitigen: Da fallen dann auch die Vorschläge „Döner und Dosenwurst“.

Als sich schließlich alles in Friede und Freude auflös, hat die Ebnater Theaterwelt einen großen Erfolg mehr auf der Habenseite. Oder frei nach Edeltraud: „Sieht die Sau zart rosa aus, stimmt‘s beim Bauern in Stall und Haus“.

Am Ende gibt es viel Applaus und großen Dank an die hervorragende Regie, an Maske, Technik und die tolle Bewirtung.

Weitere Aufführungen von „Döner, Durst und Dosenwurst“ gibt es am Freitag 12.. und Samstag 13. Januar, jeweils um 19.30 Uhr in der Jurahalle Ebnat.

Karten dafür können noch unter www.theater-ebnat.de vorbestellt werden.

© Schwäbische Post 07.01.2018 16:37

 

veröffentlicht in den Aalener Nachrichten am 07.01.2018:

Theatergruppe des Sportvereins Ebnat spielt „Döner, Durst und Dosenwurst“

Zuschauer in der Jurahalle feiern das Lustspiel von Bernd Gombold

Wenn ausgerechnet zum „Epfelfest“ in Ebnat ein Dönerladen eröffnet, gibt es Unruhe unter den örtlichen Geschäftsleuten. 

Edwin Hügler 

AALEN-EBNAT  Was passiert, wenn ausgerechnet zum „Epfelfest“ in Ebnat ein Dönerladen eröffnet? Ganz klar, es gibt Unruhe und Turbulenzen unter den örtlichen Geschäftsleuten. Wer es genau wissen will, sollte sich den Schwank „Döner, Durst und Dosenwurst“ der Theatergruppe des Sportvereins Ebnat ansehen. Bei der ersten Vorstellung am Dreikönigstag hatten die Zuschauer in der ausverkauften Jurahalle jedenfalls großen Spaß an dem Lustspiel von Bernd Gombold.

Unter der Regie von Birgit Breitweg und Roswitha Weber präsentierte sich die Theatergruppe in bester Spiellaune, das flotte Bühnenstück mit so manch deftigen Sprüchen animierte ein ums andere Mal zum Lachen und sorgte drei Stunden lang für tolle Unterhaltung.

Zum Inhalt: Der Türke Erkan (Thomas Krebs) hat in der Schule zwar drei Ehrenrunden gedreht, trotzdem ist er ganz schön gewieft und eröffnet einen Dönerladen. Sein Lieblingsspruch: „Alter, was willst du“. Sein Geschäft läuft ganz gut, sogar die Grundschüler bestellen bei ihm Pizza und Döner.

Das lässt natürlich den alteingesessenen Ebnater Geschäftsleuten keine Ruhe. Döner – so ein Zeugs aus Kuheuter, sagt Edeltraud (Roswitha Weber), die Vollblut-Verkäuferin von Metzgermeister Fleischle. Sie ist auch nicht gerade die Hellste, verwechselt ständig Fremdwörter, doch über ihre frische Ware lässt sie nichts kommen. Na ja, fast frisch, denn Edeltraud räumt ein, dass in den Schwartenmagen schon einmal 14 Tage alte Wurstzipfel hineingemischt werden.

Gar nicht begeistert vom neuen Dönerladen ist auch Schulrektorin Gesine (Nicole Braunschmid). Die Kinder sollen schließlich etwas Gesundes und nicht Döner essen. Überhaupt hat Gesine an allem und jedem etwas herumzumäkeln und ist deshalb sehr unbeliebt. Dabei schuldet sie dem super coolen Tatoo-Studiobesitzer und Sonnenbankbetreiber Joe (Rudi Mayer) 300 Euro, weshalb dieser Gesine immer wieder auf die Pelle rückt.

Mit von der fröhlichen Partie ist auch Friseurmeisterin Gitti (Kristina Rauer), die schon einmal ihren Kunden eine Rupffrisur verpassst. Als schlauer Kopf erweist sich Karl Häberle(Friedrich Arnold), der getreu dem Motto „Ist die Sau schon halb vollendet, in der Wurst schmeckt sie noch blendend“ sein darniederliegendes Schwein Edeltraud andrehen will. Doch er hat noch eine größere Sorge: Sein schüchterner und etwas dümmlicher Sohn August (Rudolf Weber) findet einfach keine Freundin. Da wäre Edeltraud doch die passende Partie, denken Karl Häberle und seine Frau Magda (Birgit Breitweg). Doch Edeltraud und August kommen nicht so recht zusammen, sie unterhalten sich lediglich über Wurstsorten und über die Kühlkammer.

Heiß her geht es bei einer von Erkan veranstalten großen Party, bei der fleißig Alkohol getrunken wird und zur Feier des Tages sich die Gäste auch noch einen Joint reinziehen. Mit dabei ist da auch Polizeimeister Edgar (Eberhard Amerein), der nichts anderes als Pausen und seinen Ruhestand im Sinn hat.

Am nächsten Tag sind alle von der Party noch vollkommen benebelt, doch von Schulrektorin Gesine und von August fehlt jede Spur und auf der Sonnenbank von Joe und im Kühlschrank von Erkan finden sich zwei Leichen. Zu allem Überfluss hat Erkan auch noch eine Tätowierung mit einem Schweinskopf auf dem Bauch und Edeltraut ist mit einem Dönerspieß tätowiert. Alle sind irgendwie tatverdächtig.

Zum Glück hat Magda Häberle bei der Party als einzige keinen Joint geraucht und behält einen klaren Kopf: Bei den vermeintlichen Leichen handelt es sich um Schweinshälften und die Schulrektorin aus einem Heuhaufen und der von einer Nacht im Kühlhaus leicht eingefrorene August tauchen putzmunter wieder auf. Alle sind glücklich und zufrieden, so soll es sein in Ebnat.

Der langanhaltende Schlussapplaus galt den Bühnenakteuren samt den Statisten Anne Nigmann, Peter Mayer, Tim Krebs, Paul Goggele und Elias Spegel, aber auch den Souffleusen Renate Buchstab und Monika Pehl, der Maskenbildnerin Anja Goggele sowie Heiko und Holger Nigmann für die Technik

Weitere Vorführungen von „Döner, Durst und Dosenwurst“ sind am 12. und 13. Januar jeweils um 19.30 Uhr in der Ebnater Jurahalle.